Wenn sich zwei Herzen scheiden,
Die sich dereinst geliebt,
Das ist ein großes Leiden,
Wie’s größ’res nimmer gibt.
Es klingt das Wort so traurig gar:
Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar!
Wenn sich zwei Herzen scheiden,
Die sich dereinst geliebt.
Als ich zuerst empfunden,
Daß Liebe brechen mag:
Mir war’s, als sei verschwunden
Die Sonn’ am hellen Tag.
Mir klang’s im Ohre wunderbar:
Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar!
Da ich zuerst empfunden,
Daß Liebe brechen mag.
Mein Frühling ging zu Rüste,
Ich weiß es wohl, warum,
Die Lippe, die mich küßte,
Ist worden kühl und st
Du fragst mich, liebe Kleine,
Warum ich sing’ und weine,
Du fragest, was mich schmerzt?
Ich habe den Lenz versäumet,
Ich habe die Jugend verträumet,
Ich habe die Liebe verscherzt.
Mir schwoll der Becher am Munde,
Ich hatte nicht Durst zur Stunde,
Ich ließ vorüber ihn gehn;
Mir winkt’ im grünen Laube
Granate, Feig’ und Traube,
Doch hab’ ich sie lassen stehn.
Und als nun kam der Abend,
Die Sonn’ im Glanz begrabend,
Da war mein Durst erwacht;
Aber der Becher der Wonnen,
Die Früchte waren zerronnen,
Und dunkelte rings die Nacht.
In diesen Zimmern hast du jüngst gewohnt,
Die Treppen hat dein schöner Fuß betreten,
Durch diese Wipfel schautest du den Mond
Und sahst den Sommer blühn auf diesen Beeten.
Und dort an jenem Fenster saßest du,
Und alter Zeit gedachtest du im Herzen,
Und dort entschliefst du, wenn zu tiefer Ruh
Dein Nachtgebet besprochen alle Schmerzen.
Ach, da du fortzogst, mußt’ es jedem sein,
Als ob der Engel dieses Hauses schiede;
Ich aber trat an deiner Statt herein,
Ein wilder Gast mit meinem wilden Liede.
Nun ist mir oft, als wüßten sie von dir
Und müßten reden, diese stummen
Den letzten Becher bring’ ich dir,
Du schöner, fremder Strand!
Ach, bitter wird das Scheiden mir,
Als wär’s mein Heimatland.
Fahr wohl, fahr wohl! Im Segel ruht
Der Wind und treibt sein Spiel,
Und rauschend furcht die grüne Flut
Der Barke scharfer Kiel.
Die Sonne sinkt ins Inselmeer,
Die Luft glüht rosenrot –
Dort schimmert noch das Fenster her,
Wo sie mir Abschied bot.
Wie gern, wie gern, du holdes Kind,
Hätt’ ich bei dir gesäumt!
Es schleicht ein zehrend Feuer
Durch mein Gebein;
Mein Schatt’ ist mir nicht treuer
Wie diese Pein.
Ich höre die Stunden ziehen
Trüben Gesichts;
Sie kommen, weilen, fliehen – Und ändern nichts.
Der Sommer kommt gegangen,
Mir ist’s wie Traum;
Am Busch Wildröslein hangen,
Ich acht’ es kaum.
Es schlagen die Nachtigallen
In Wald und Plan,
Laß schallen, laß verhallen!
Was geht’s mich an?
Ich fühle nur das eine
In meinem Sinn:
Daß ich von dir, du reine,
Geschieden bin.
Mein Schatt’ ist mir nicht treuer
Wie diese Pein;
Und zehrend schleicht das Feuer
Durch mein Gebe
Schon fängt es an zu dämmern,
Der Mond als Hirt erwacht
Und singt den Wolkenlämmern
Ein Lied zur guten Nacht;
Und wie er singt so leise,
Da dringt vom Sternenkreise
Der Schall ins Ohr mir sacht:
Schlafet in Ruh! schlafet in Ruh!
Vorüber der Tag und sein Schall;
Die Liebe Gottes deckt euch zu
Allüberall.
Nun suchen in den Zweigen
Ihr Nest die Vögelein,
Die Halm’ und Blumen neigen
Das Haupt im Mondenschein,
Und selbst des Mühlbachs Wellen
Lassen das wilde Schwellen
Und schlummern murmelnd ein.
Schlafet in Ruh! schlafet in Ruh!